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56. Internationales SCIJ-Meeting im Hohen Atlas

Die Teilnehmer der "Afrika-Expedition" des Skiclubs Deutscher Journalisten zum 56. Internationalen SCIJ-Meting im Hohen Atlas waren nicht besonders zahlreich, dafür aber umso erfolgreicher. Eva Woyte, Ralf Scheuerer und Hartmut Krause konnten in Marokkos größtem Ski-Gebiet Oukaimeden insgesamt 8 von 9 möglichen Medaillen abräumen. Die Skitour in das Gebirge 70 Kilometer südlich von Marrakesch war eine Reise voller Überraschungen und starker Kontraste: Wüste und Schnee, moderne Tourismuszentren und antike Moscheen, Straßenhändler am Sessellift. Die Idee der belgischen Sektion des SCIJ, gemeinsam mit den Marokkanern das erste Treffen auf afrikanischen Boden zu realisieren, war ein Wagnis. Aber es hat sich gelohnt! Wer wollte, konnte mit dem Muli zur Piste reiten. Der Muezzin schallte über den Anfängerhang am Baby-Lift. Der Mitfahrer im Sessellift stellte sich als marokkanischer Meister im Riesenslalom vor und der Liftboy lud zum frischen Pfefferminztee ein.

Hier nun das Tagebuch unseres Afrika-Ski-Trips:

Samstag:

Spätestens als wir am ersten Abend unsere Rollkoffer und Skisäcke an den randvoll gefüllten Swimmingpools des Targa Centers, des riesigen Ferienzentrums einer großen Bank, vorbei balancieren, wird uns bewusst, dass wir uns auf einer äußerst ungewöhnlichen Reise befinden. Es ist Januar, aber die Luft ist lau! Ganz unerschrockene Schwimmer wagen sich sogar ins Wasser und bald finden wir uns in einem Restaurant wieder, das in Sachen Dekoration und Speisefolge einen prachtvollen Vorgeschmack auf die mediterran-orientalischen Köstlichkeiten bietet, die noch folgen sollen.

Sonntag:
Schon ab morgens steht Sightseeing auf dem Programm: Wir erleben einen wunderbaren Tag in den schmalen Gängen der Souks, besuchen die Koranschule, die Moscheen, den großartigen Platz Djemaa el Fna, mit Gauklern, Schlangenbeschwörern und den farbenprächtigsten Marktständen. Am frühen Abend versammeln sich knapp 200 Journalisten aus 33 Nationen zur feierlichen Eröffnung im Amphi-Theater unserer Ferienanlage. Anschließend erleben wir draußen in der Wüste ein traditionelles Tajjine-Abendessen in einem Berber-Zelt mit Musik- und Tanzgruppen und eine atemberaubende "Fantasia", eine Reiterschau in einer riesigen Freiluft-Arena.

Montag:
Früh am Morgen bricht die ganze Reisegesellschaft in einem Konvoi aus Allradfahrzeugen in Richtung Süden auf. Nach Besichtigung einer modernen, aber mit traditionellen Materialien gebauten Kasbah, die ein luxuriöses Ferienzentrum werden soll, gibt es einen Empfang beim Gouverneur der Provinz Al Haouz, der von traditionellen Musikern und Blumen verteilenden Kindern begleitet wird. Am Nachmittag dann folgt ein Picknick in einem neu errichteten Outdoor-Trendsportzentrum mit einem beeindruckendem Kletter-Canyon, das in den Ausläufern der Berge hoch über der unwirtlichen Ebene liegt. Danach geht es über atemberaubende Serpentinen in den Hohen Atlas, und das Problem der Veranstaltung wird offensichtlich, als wir das Hochtal von Oukaimeden erreichen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als der Schnee mehrere Meter hoch gelegen hat, gibt es in diesem Jahr nur eine dünne Auflage. Aber es soll ja noch schneien! Abends dann findet rund um den mehrstöckigen Kamin im eindrucksvollen Atrium unseres Hotels Club Louka der "Nations' Evening" statt. Es wird sehr lustig, insbesondere weil das Küchenpersonal des Hotels ganz begeistert alle internationalen Spezialitäten probiert (auch die flüssigen ... pssst ... nicht verraten)! Anschließend erfahren auch diejenigen, die schon ins Bett gegangen sind, dass das Hotel einen großartigen DJ hat, denn die Bässe dringen bis in die oberen Stockwerke. Was die Früh-Zu-Bett-Geher nicht mitbekommen, ist der Moment, als die ganze Disco-Belegschaft zu vorgerückter Stunde in voller Montur in den neben der Tanzfläche gelegenen Pool springt!

Dienstag:
Der Himmel ist blitzeblau, Straßenhändler bieten ihre Waren an, wer will, reitet mit dem Muli zur Piste, wo uns der Doppelmayr-Sessellift auf lockere 3269 Meter bringt und eine grandiose Aussicht beschert. 1937 soll der erste Lift hier installiert worden sein, jetzt sind es sieben, sechs davon POMA-Teller, und zwar die von der ruppigen Sorte. Dafür kostet die Tageskarte aber auch nur 10 Euro. Im oberen Teil ist die Piste in Ordnung und für viele eine echte Herausforderung, aber im unteren ist die Schneedecke so dünn, dass viele kleine Steine durchkommen, was den Belägen unserer Ski natürlich nicht gerade gut tut. Es wird diskutiert, ob angesichts der Verhältnisse überhaupt ein Rennen stattfinden kann. Wir gönnen uns zum Abschluss unseres ersten afrikanischen Skitages einen äußerst wohlschmeckenden Glühwein (wer hätte das gedacht!?!) in unserem neuen Stammlokal "Chez Juju".

Mittwoch:
Allah hatte ein Einsehen! Es hat in der Nacht ein wenig geschneit und aus der spanischen Sierra Nevada ist ein Organisations-Team des dortigen Skiverbandes eingetroffen, das mit professionellem Equipment für die Durchführung des Rennens sorgen soll. Auch wenn es zunächst so aussieht, als ob die Slalomstangen kaum Halt fänden, bekommen die Spanier mit Hilfe der marokkanischen Gebirgsjäger den Hang noch so präpariert, dass der Riesenslalom stattfinden kann. Wer es den Belägen seiner Ski zumuten will, der erkundet anschließend noch das "Backcountry" des Skigebiets. Wunderbar weite Schneefelder und steile Rinnen lassen erahnen, was dieses Gebiet in den Jahren zu bieten hat, in denen hier, wie üblich, mehrere Meter Schnee liegen. Da das Wetter unverändert sonnig ist und kein Niederschlag in Sicht, sieht es nicht so aus, als würde hier am nächsten Tag das erste Skilanglaufrennen in der Geschichte des afrikanischen Skisports stattfinden. Abends findet im Hotel eine sehr offene und aufschlussreiche Podiumsdiskussion über die Stellung der Frau in Marokko statt.

Donnerstag:
Die Organisatoren und die Gebirgsjäger haben mal wieder ganze Arbeit geleistet: Die Strecke ist nicht lang, aber vor unserem Hotel erstreckt sich im Hochtal von Oukaimeden der erste Skilanglaufrennkurs, den Afrika je gesehen hat. Die marokkanischen Gebirgsjäger haben für alle Teilnehmer, die keine eigenen Ski dabei haben, eine Auswahl an Modellen bereitgelegt, die einen breitgefächerten Überblick über die Langlaufskiproduktion der letzten 3 Jahrzehnte liefert. Wir beeilen uns beim Rennen, damit wir fertig sind, bevor der Kurs weggeschmolzen ist, und freuen uns, dass alle Beteiligten das Ausdauerrennen auf immerhin fast 2700 Metern Höhe über dem Meer ohne Herzkasper überstehen. Nach einer kurzen Dusche geht es am Nachmittag mit der Jeep-Karawane zurück ins Nachtleben von Marrakesch. Am Abend lässt es sich der Minister für Kommunikation persönlich nicht nehmen, alle Journalisten zum Diner zu begrüßen und stellt sich im Anschluss an seine Rede auch einigen kritischen Fragen zum heiklen Thema "West-Sahara".

Freitag:
Am Vormittag stellen die Kanadier auf der Generalversammlung das SCIJ-Meeting 2011 in Banff vor. Die Türkei will das Treffen im Jahr 2012 ausrichten, und auch für die folgenden Jahre stellen sich einige Kandidaten vor. Anschließend geht es zum Grillen in die belgisch-marokkanische Kasbah "Le Mirage", wo wir einen unglaublich sonnigen Januar-Nachmittag in einer Kulisse (ja, ich komme diesmal nicht drum herum, ich muss es einfach einmal schreiben!!!) wie aus "Tausend-und-einer-Nacht" erleben. Das Essen ist wieder einmal grandios, der Wein vorzüglich. Abends findet in einem der schönsten Hotels der Stadt die Siegerehrung statt. Wir bekommen mehr Pokale, als wir ins Fluggepäck packen können.

Samstag:
Wer kann, entspannt vor dem Abflug in der Sonne am und im Pool. Und das im Januar! Wer muss, besorgt noch ein paar Mitbringsel für daheim, wenn er sich nicht schon von den allgegenwärtigen Straßenhändlern Unmengen von Halsketten und Dolchen hat aufschwätzen lassen. Eine großartige Reise geht zu Ende! Die letzten Busse zum Flughafen verlassen das Targa-Center! Unsere marokkanischen Gastgeber waren stets sehr zuvorkommend und äußerst gastfreundlich. Auf Ski-Reise in Afrika! Es war ein unvergleichliches Erlebnis!